allgemeine Vorbemerkungen:

  • Handhygiene spielt bei der Prävention nosokomialer Infektionen eine überragende Rolle, weil die Hände des medizinischen Personals der wichtigste Vektor bei der Infektionsübertragung sind.
  • Eine hygienische Händedesinfektion ist die einfachste und sicherste Methode zur Verhütung von nosokomialen Infektionen.
  • Durch ein korrekt durchgeführte hygienische Händedesinfektion können Infektionswege unterbrochen werden und es sind ungefähr 80% an nosokomialen Infektionen verhinderbar.
  • Ein Unterlassen der hygienischen Händedesinfektion muss aus hygienischer Sicht als fahrlässige Handlung eingestuft werden.
  • Ziel der hygienischen Händedesinfektion ist die Abtötung der transienten Keimflora der Hände.

Indikation (=5 Momente der Händehygiene, WHO 2009):

1. Vor Patientenkontakt:

  • Vitalfunktionen messen
  • Auskultieren
  • Palpieren
  • vor dem Griff in die Handschuhbox

2. Vor aseptischen Tätigkeiten:

  • Kontakt (Diskonnektion/Konnektion) mit invasivem Devices
  • Kontakt mit nicht intakter Haut/Schleimhaut

3. Nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien:

  • Schleimhautkontakt
  • Kontakt mit nicht intakter Haut
  • Kontakt (Diskonnektion/Konnektion) mit invasiven Devices
  • nach dem Ausziehen der Handschuhe

4. Nach Patientenkontakt:

  • Waschen
  • klinische Tätigkeiten wie Pulsmessen, Auskultieren, Palpieren
  • nach dem Ausziehen der Handschuhe

5. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung OHNE direkten Kontakt zum Patienten gehabt zu haben:

  • Direkter Kontakt zum Bett, Infusionsgerät, etc.
  • Kontakt zu persönlichen Gegenständen des Patienten

Technik:

  • Hygienische Händedesinfektion nur auf trockener Haut anwenden (bei feuchter Haut kommt es zu einem Wirkverlust durch die Verdünnung des Desinfektionsmittels).
  • Mindestens 3ml (= eine Hohlhand) alkoholisches Händedesinfektionsmittel aus dem Spender mittels Ellenbogen- oder Unterarmtechnik entnehmen.
  • Alle Bereiche der Hände (Daumen, Fingerkuppen, Interdigitalräume, Querfalten der Handflächen etc.) müssen einschließlich beider Handgelenke mit dem Desinfektionsmittel benetzt werden.
  • Die Gesamtdauer der hygienischen Händedesinfektion muss mindestens 30 Sekunden betragen. Falls die Hände bereits vorher trocken sind, muss erneut ein Händedesinfektionsmittel entnommen werden.
  •  Das Desinfektionsmittel muss bis zum kompletten Trocknen verrieben werden (wenn die mit Desinfektionsmittel feuchten Hände abgetrocknet werden, kommt es zu einem Wirkverlust und außerdem wird dadurch die Haut entfettet und dadurch kommt es zu Hautirritationen).
  • Aus demselben Grund dürfen mit Desinfektionsmittel feuchten Händen auch keine Handschuhe angezogen werden.

Vorteile der hygienischen Händedesinfektion gegenüber der Händewaschung:

  • Die Händedesinfektion ist ca. 1000mal wirksamer in Bezug auf die Keimbeseitigung im Vergleich zur Händewaschung.
  • Der Zeitaufwand beträgt bei der Desinfektion nur ca. ein Drittel im Vergleich zur Waschung.
  • Die Desinfektion ist unabhängig von einer Waschgelegenheit.
  • Händedesinfektion mit einem geeigneten Mittel und bei sachgerechter Anwendung ist weniger strapaziös für die Haut als die Waschung, bei der Lipide aus der Haut emulgiert und beim Abspülen entfernt werden.

Katharina Müller-Christian

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